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Nachhaltiges Holzgas-Kraftwerk in Frauenfeld

Publiziert am 08.09.2021 von SmartSuisse

Zum Herbst in Frauenfeld gehört ein süsslicher Geruch, der ungefähr von September bis zum Jahresende über der Stadt hängt: Er stammt aus der Fabrik der Schweizer Zucker AG im Westen der Stadt. Dort realisiert das Unternehmen nun gemeinsam mit Energie 360° ein Holzheizkraftwerk, die Bioenergie Frauenfeld AG. Es handelt sich dabei um eine der grössten Anlagen dieser Art in Europa. Die Energieversorgerin setzt als Gesamtprojektleiterin eine individuelle und massgeschneiderte Lösung um – die Zucker-fabrik profitiert darüber hinaus von dezentral produzierter ökologischer Heizwärme.  

"Das Holzheizkraftwerk produziert Strom für 8000 Haushalte, Wärme und Biokohle. Und das alles mit regionalen Holzabfällen," sagt Stefan Ellenbroek, Projektentwickler Lösungen.

  
Neuartige Energiegewinnung

Als Energieträger nutzt das Kraftwerk Restholz. Daraus gewinnt es Strom und Wärme. «Das ist eine sehr innovative und hoch effiziente Form der Stromgewinnung aus Holz», sagt Stefan Ellenbroek, Projektentwickler bei Energie 360° und Gesamtprojektleiter Bioenergie Frauenfeld. Deshalb werde das Projekt vom Bund über das Einspeisevergütungssystem (EVS) finanziell unterstützt. 

Das gehackte Holz durchläuft im Kraftwerk zunächst eine Trocknungsschlaufe. Anschliessend entsteht in einem thermochemischen Prozess bei 850° C ein gas­förmiger Brennstoff, das Holzgas. Vier Gasmotoren pro­duzieren daraus erneuerbaren Strom und Wärme. Die Wärme nutzt das System einerseits gleich selbst wieder zum Trocknen der Holzschnitzel, andererseits dient sie der Zuckerfabrik und den am Fernwärmenetz Wärme Frauenfeld West angeschlossenen Gebäuden als Heizwärme. Übrig bleibt die Biokohle, die jährlich rund 9000 Tonnen CO2 langfristig bindet. Sie findet vielfältig Verwendung, zum Beispiel in der Landwirtschaft als Düngemittel, als Futterzusatz für Nutztiere oder als nachhaltige Aktivkohle in der ­Wasseraufbereitung.

Energie ohne Abfall

Bei dieser Form der Energiegewinnung findet folglich alles eine Verwendung und es fallen keine Abfallstoffe wie hochbelastete Asche an. «Das macht den ganzen Prozess besonders nachhaltig», sagt Stefan Ellenbroek. Kommt hinzu: Für die Anlage sind keine hochwertigen Hackschnitzel nötig. «Das Holz muss naturbelassen sein, aber wir können Baumkronen, Käfer- und Sturmholz, Schnittholz aus der Landschaftspflege oder auch Holzabschnitte aus der ­Holzverarbeitungsindustrie verwenden.»

Bei der Lieferung des benötigten Rohstoffs achtet man auf kurze Wege: Das Holz wird vor Ort – im Wald, im Park, in der Holzwerkstatt – gehackt und dann direkt nach Frauenfeld gefahren. Unnötige ­Umwege und aufwendige Zwischenlagerungen sollen dabei möglichst vermieden werden.


Wärmeverbund wird mit ausgebaut

Aber nicht nur die Zuckerfabrik profitiert vom neuen Kraftwerk. Mit der Lieferung von Wärme an den Wärmeverbund Wärme Frauenfeld West versorgt das Kraftwerk auch Haushalte im Umkreis der Zuckerfabrik. «Das Fernwärmenetz ist bereits 35 Jahre alt und zurzeit relativ klein. Mit dem Bau des Holzheizkraftwerks soll der bestehende Wärmeverbund jedoch erneuert und erheblich erweitert werden. Dies in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Frauenfeld und dem lokalen Energieversorger Thurplus», sagt Stefan Ellenbroek. In den nächsten Jahren sollen dank dem Holzheizkraftwerk rund 1000 Haushalte mit ökologischer Wärme beliefert werden.

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