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Digitalisierung der Mobilität

Publiziert am 01.09.2021 von SmartSuisse
Christoph Tschudin

Elektromobilität und die Digitalisierung der Mobilität beginnen sich in der Schweiz mehr und mehr zu formieren. Für die nächsten Jahren sind neue elektrische Fahrzeugmodelle und Infrastrukturlösungen angekündigt. Smarte Mobilitätskonzepte stehen deshalb auch während der kommenden SmartSuisse im Fokus.

Christoph Tschudin von der Yunex Traffic, einem Unternehmen der Siemens Mobility AG, befasst sich seit 2007 mit Verkehrsmanagement. Bei seinem Auftritt wird er unter dem Titel «Digitaler Zwilling: Verkehrsmodellierung für die Zukunft» über aktuelle Aspekte und konkrete Projekt, über Nutzen und Herausforderungen moderner Verkehrsmodellierung in Städten informieren.

Herr Tschudin, Sie beschäftigen sich damit, wie Mobilität und konkret Verkehrsströme mittels Intelligent Traffic Systems (ITS) gemanagt werden können. Schiene, Strasse und intermodale Verkehrsformen, wo sehen Sie für solche Systeme die grössten Chancen, wo die grössten Herausforderungen?

Die grösste Chance liegt sicherlich in der effizienten und sinnvollen Nutzung der bestehenden Infrastruktur. Der Platz ist beschränkt und wird sicher nicht mehr grösser. Es können kaum noch neue Strassen oder Geleise gebaut werden. Also muss man die Infrastruktur mittels neuer Technologien und intermodaler Verkehrswahl optimal und sinnvoll ausnutzen. So macht es zum Beispiel keinen Sinn, dass ein Fahrzeug mit fünf Plätzen im Schnitt nur mit 1,6 Personen besetzt ist. Die grösste Herausforderung sehe ich weniger im Bereich der Technik oder Systeme, sondern in der Gesellschaft. Die Akzeptanz eines neuen Mobilitätsverhaltens und der Wille zur Veränderung sind entscheidend. Auch sind die technologischen Fortschritte schneller, als Politik und Behörden momentan darauf reagieren können.

Mit selbstfahrenden Automobilen verbindet sich das Versprechen, Verkehrsströme bei geringeren Emissionen besser steuern zu können. Wo sind die Fortschritte am deutlichsten sichtbar, und wo braucht es noch Geduld?

Systeme mit selbstfahrenden Fahrzeugen sind bereits im Einsatz. In Phoenix und Mountain View fahren Taxis ohne Fahrer im täglichen Betrieb, wenn auch nur in einer beschränkten Zone. Wann solche selbstfahrenden Systeme bei uns eingesetzt werden können, ist noch unklar. Ich sage immer: in fünf Jahren. Das habe ich allerdings auch schon vor zwei Jahren gesagt. Trotzdem glaube ich, dass sich selbstfahrenden Fahrzeuge in fünf bis zehn Jahren in Europa etablieren werden. Den grössten Fortschritt sehe ich momentan im Bereich von Taxis und Motorisiertem Individualverkehr (MIV). Die Versuche mit selbstfahrenden Bussen im öffentlichen Verkehr sind in der Schweiz etwas ins Stocken geraten, erhalten aber aktuell mit SAAM (Swiss Association for Autonmous Mobility) neuen Schwung. Im Augenblick sind die meisten Aktivitäten wahrscheinlich im Bereich des Warentransports mit Lastwagen, Lieferwagen und Drohnen zu finden. Geduld braucht es noch im Bereich der Flugtaxis oder Air Mobility.

Wie werden smarte, mittels Echtzeitdaten gesteuerte Systeme die Städte aus Ihrer Sicht verändern?

Mittelfristig wird sich der Verkehr enorm verändern, nicht nur durch gesteuerte Systeme mit Echtzeitdaten. Neue Technologien wie Elektromobilität, selbstfahrende Fahrzeuge, Vernetzung von Infrastruktur und Fahrzeugen sowie Digitalisierung von Services und Dienstleistungen werden einen grossen Einfluss haben. Das alles zusammen wird zu einer disruptiven Entwicklung im Verkehr führen und tiefgreifende Änderungen mit sich bringen. Kurzfristig wird die Strassenverkehrsinfrastruktur optimiert, mittelfristig wird sie grundlegend geändert. Auf den Strassen werden wohl kaum noch Parkplätze benötigt.

Worin liegen die Stärken der Yunex Traffic und worin die Synergien mit der Siemens Mobility?

Eine der grössten Stärken von Yunex Traffic ist, dass wir ein kompletter Anbieter für alle Bereiche der Strassenverkehrstechnik sind. Wir haben ein sehr breites Portfolio und sind weltweit einer der grössten Hersteller von Lösungen und Produkten für die Strassenverkehrstechnik. Durch die lange Erfahrung innerhalb von Siemens, sowie als attraktives junges Unternehmen, verfügen wir über ein breites und multidisziplinäres Knowhow und eine grosse Expertise rund um den Verkehr. Wir arbeiten sehr eng mit Siemens Mobility zusammen und realisieren gemeinsam verschiedene Projekte.

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